40 Jahre Zentrale Schuldnerberatung Bonn: Verlässliche Hilfe – und dringender Gesprächsbedarf – Diakonie und Caritas ziehen Bilanz und laden zum politischen Austausch ein
Die Resonanz auf die Einladung blieb überschaubar. Dabei ist der Gesprächsbedarf aus Sicht von Diakonie und Caritas groß. Denn die Rahmenbedingungen für die Schuldnerberatung haben sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Mit Sorge blicken die Träger insbesondere auf die Umsetzung des Schuldnerberatungsdienstegesetzes. Aus Sicht der Beratungsstellen und ihrer Verbände wurden zentrale Empfehlungen und fachliche Anforderungen nicht ausreichend berücksichtigt. Der Gesetzentwurf sieht etwa eine finanzielle Beteiligung durch die Ratsuchenden vor, welche nicht unangemessen sein darf. Unklar bleibt jedoch was angemessen bzw. unangemessen wäre.
„Schuldnerberatung ist keine freiwillige Zusatzleistung, sondern eine wichtige soziale Infrastruktur“, betonen Diakonie und Caritas. Menschen, die in finanzielle Not geraten sind, bräuchten frühzeitig niedrigschwellige und verlässliche Unterstützung. Wenn Beratung von den finanziellen Möglichkeiten der Ratsuchenden abhängig gemacht wird, bestünde die Gefahr, dass gerade diejenigen nicht mehr erreicht werden, die Hilfe besonders dringend benötigen.
Seit 40 Jahren an der Seite der Menschen
Diakonie-Chef Tobias Köhler eröffnete den Austausch mit einem kurzen Blick auf die Geschichte der Zentralen Schuldnerberatung. Die vergangenen vier Jahrzehnte waren immer wieder von gesetzlichen Veränderungen und neuen gesellschaftlichen Herausforderungen geprägt. Was sich jedoch durch alle Phasen gezogen habe, sei die Notwendigkeit einer fachlich qualifizierten und verlässlich erreichbaren Beratung.
Einrichtungsleiterin Stefanie Aumüller machte im Rahmen des Austauschs deutlich, was auf dem Spiel steht. Sie schilderte, was passieren würde, wenn es den Dienst in seiner heutigen Form nicht mehr gäbe: Menschen mit Schulden würden nicht einfach verschwinden. Die Probleme verlagerten und verschärften sich vielmehr – in Familien, bei Vermietern, Behörden, Energieversorgern und anderen sozialen Diensten. Überschuldung hat gesundheitliche Folgen und kann zu Arbeitsplatzverlust, Wohnungsverlust, sozialer Isolation und weiteren existenziellen Problemen führen. Schuldnerberatung verhindert durch ihre Arbeit, dass aus Schulden Not wird.
„Unsere Arbeit setzt an, bevor aus finanziellen Schwierigkeiten eine existenzielle Krise wird“, so Aumüller. „Wir erleben jeden Tag, wie wichtig eine verlässliche, kostenlose und fachlich qualifizierte Beratung für die Menschen in Bonn ist.“
Beratung wirkt – auch wirtschaftlich
Diakonie-Chef Tobias Köhler und Caritasdirektor Jean-Pierre Schneider verwiesen zudem auf den Social Return on Investment der Schuldnerberatung. Die Arbeit der Beratungsstellen hat demnach nicht nur eine soziale, sondern auch eine wirtschaftliche Wirkung: Erfolgreiche Beratung kann dazu beitragen, dass Schulden reguliert werden, Wohnraum erhalten bleibt, Krisen nicht weiter eskalieren und öffentliche Stellen sowie andere soziale Hilfesysteme entlastet werden.
„Wer bei Schuldnerberatung nur auf die unmittelbaren Kosten schaut, greift zu kurz“, machte Köhler deutlich. „Die entscheidende Frage ist auch, welche Kosten entstehen, wenn Menschen keine qualifizierte Beratung bekommen.“
Jean-Pierre Schneider unterstrich die gemeinsame Verantwortung von Diakonie und Caritas, die Schuldnerberatung auch künftig verlässlich anzubieten. „40 Jahre Zentrale Schuldnerberatung zeigen, dass dieses Angebot gebraucht wird. Unser Jubiläum ist deshalb nicht nur Anlass zurückzublicken, sondern vor allem Anlass, über die Zukunft zu sprechen.“
Politischer Austausch soll fortgesetzt werden
Die Träger wollen deshalb den Dialog mit Politik und Verantwortlichen weiterführen. Ziel müsse es sein, die Schuldnerberatung als niedrigschwelliges, kostenloses und bedarfsgerechtes Angebot langfristig abzusichern. Dies geht jedoch mit der Forderung nach einer langfristigen und verlässlichen Finanzierung einher.
„Wir hätten uns zum 40-jährigen Bestehen einen anderen Anlass für ein Fest gewünscht“, so die Träger. „Stattdessen wollen wir gemeinsam darüber sprechen, was Menschen in finanziellen Notlagen brauchen und welche Rahmenbedingungen dafür notwendig sind.“
Die Zentrale Schuldnerberatung von Diakonie und Caritas wird ihre Arbeit in Bonn auch künftig fortsetzen: verlässlich, kostenlos und fachlich qualifiziert – für Menschen, die einen Weg aus der Überschuldung suchen