Kathrin Ketzer und Luz Florez

5 Mythen rund um die Pflege

Pflege ist voller Mythen. Viele davon halten sich hartnäckig, obwohl sie nicht stimmen. Zum Beispiel: „Einen Pflegegrad bekomme ich erst, wenn mich schon jemand regelmäßig pflegt“ oder „Pflegeleistungen gibt es nur im Heim, zu Hause lohnt sich das kaum“ oder „Pflegende Angehörige sind auf sich allein gestellt“. Luz Florez als Einrichtungsleiterin des Pflege- und Gesundheitszentrums (PGZ) der Diakonie Bonn und Region und ihre Stellvertreterin Kathrin Ketzer räumen mit gängigen Mythen auf, zeigen, welche Unterstützung es gibt und wie man sie sinnvoll nutzt.

Mythos 1: „Einen Pflegegrad bekomme ich erst, wenn mich schon jemand regelmäßig pflegt.“

Fakt: Das ist nicht richtig.

Ein Pflegegrad kann auch dann beantragt und bewilligt werden, wenn noch keine regelmäßige Pflege stattfindet. Entscheidend ist allein, wie selbstständig eine Person in ihrem Alltag ist und wie stark ihre gesundheitlichen Einschränkungen sind.

Bei der Begutachtung durch den Medizinischen Dienst wird geprüft, in welchen Bereichen Unterstützung benötigt wird (z. B. Mobilität, Selbstversorgung, kognitive Fähigkeiten) – nicht, ob bereits jemand pflegt. Gerne beraten wir als Pflege- und Gesundheitszentrum des Diakonischen Werks, kurz: PGZ, bei Fragen und Unsicherheiten im Vorfeld und unterstützen dabei, sich angemessen auf die Begutachtung vorzubereiten.

Wichtig: Pflegeleistungen können erst nach Bewilligung eines Pflegegrades über die Pflegekasse abgerechnet werden. Eine frühzeitige Antragstellung ist daher sinnvoll.

Mythos 2: „Pflegeleistungen gibt es nur im Heim, zu Hause lohnt sich das kaum.“

Fakt: Das ist falsch.

Pflegeleistungen gibt es auch im häuslichen Umfeld und sie sind oft sehr sinnvoll und individuell nutzbar. Pflegebedürftige können zu Hause unter anderem Pflegegeld, Pflegesachleistungen, Kombinationsleistungen, Entlastungsleistungen sowie Hilfsmittel und Zuschüsse erhalten.

Viele Menschen entscheiden sich bewusst für eine ambulante Versorgung, um in ihrer vertrauten Umgebung bleiben zu können. Das PGZ unterstützt dabei individuell, einfühlsam und flexibel, abgestimmt auf den tatsächlichen Bedarf und die persönliche Lebenssituation.

Ob Pflege zu Hause oder im Heim sinnvoll ist, hängt von der individuellen Situation ab, nicht vom grundsätzlichen Anspruch auf Leistungen.

Mythos 3: „Pflegende Angehörige sind auf sich allein gestellt – Beratung, Entlastung und konkrete Hilfen sind eher Theorie.“

Fakt: Das stimmt nicht.

Pflegende Angehörige haben Anspruch auf umfangreiche Beratung, Unterstützung und Entlastung. Dazu gehören unter anderem Pflegeberatungen, Pflegekurse, Entlastungsleistungen, Verhinderungs- und Kurzzeitpflege sowie Unterstützung durch ambulante Pflegedienste. Viele dieser Hilfen werden von den Pflegekassen finanziert und können unkompliziert beantragt werden.

Welche Angebote im Einzelfall passen und wie sie genutzt werden können, lässt sich oft am besten im Gespräch klären. Wir im PGZ sind jederzeit für Fragen offen, rufen Sie einfach an.

Wichtig ist: Hilfe anzunehmen ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Verantwortung.

Mythos 4: „Die Diakonie als Wohlfahrtsverband der evangelischen Kirche pflegt nur evangelisch Getaufte.“

Fakt: Das ist nicht richtig.

Die Leistungen des PGZ – wie auch die anderen Angebote der Diakonie – stehen allen Menschen offen, unabhängig von Religion, Konfession, Herkunft oder Weltanschauung. Pflege- und Unterstützungsangebote richten sich ausschließlich nach dem individuellen Bedarf.

Der christliche Auftrag der Diakonie bedeutet Nächstenliebe und Unterstützung für alle Menschen, offen, respektvoll und ohne Ausgrenzung. So wird dieser Auftrag auch in unserer diakonischen ambulanten Pflege gelebt: Unsere Pflegekräfte sind täglich unterwegs, um jeden Menschen individuell, wertschätzend und bedarfsgerecht zu pflegen und zu unterstützen.

Mythos 5: „Pflegekräfte werden grundsätzlich schlecht bezahlt, daran lässt sich kurzfristig nichts ändern – und deshalb lässt ihre Motivation zu wünschen übrig.“

Fakt: Diese pauschale Aussage ist nicht zutreffend.

In den letzten Jahren haben sich die Arbeitsbedingungen und die Vergütung in der Pflege deutlich verändert. Durch Tarifbindungen, gesetzliche Vorgaben und Refinanzierung über die Pflegekassen erhalten Pflegekräfte heute in vielen Bereichen faire und transparente Löhne.

Bei uns im PGZ spielen neben der Bezahlung auch Wertschätzung, ein gutes Miteinander, verlässliche Dienstpläne und fachliche Unterstützung eine zentrale Rolle. Pflegekräfte arbeiten hier mit Engagement, Kompetenz und echter Überzeugung.

Veränderungen sind möglich – und sie finden bereits statt. Eine starke Pflege braucht gute Rahmenbedingungen und gegenseitigen Respekt, nicht Vorurteile.

Kontakt:
Pflege- und Gesundheitszentrum (PGZ)
des Diakonischen Werks Bonn und Region
Godesberger Allee 6-8
53175 Bonn
 

Luz Florez
Einrichtungsleiterin
Telefon: 0228 22 72 24 10 (Montag – Freitag von 8:00 Uhr bis 14:00 Uhr)
E-Mail: pgz@dw-bonn.de