Quartier sind Wir – Jahresempfang des Diakonischen Werkes schaut genau hin

Einmal im Jahr rückt das Diakonische Werk Bonn und Region anlässlich des Jahresempfangs ein Thema in den Fokus. Dieses Mal wurde die Quartiersarbeit mit all ihren Facetten beleuchtet. Fast 150 Gäste waren der Einladung gefolgt. Partner aus der Wohlfahrtspflege, aus dem sozialen Netz in Bonn, Mitglieder von Rat und Verwaltungen in Bonn, dem linksrheinischen Rhein-Sieg-Kreis und dem Kreis Euskirchen, kamen zum Austausch zusammen. Oberbürgermeister Guido Déus unterstrich in seinem Grußwort ebenfalls die Bedeutung der kleinräumlichen Arbeit, nah an den Menschen.

Stellvertretend für die Geschäftsleitung begrüßte Andrea Elsmann die Anwesenden und veranschaulichte,  wie wirkungsvoll die Arbeit sein könne, wenn sie genau da ausgeführt wird, wo der Bedarf ist. Sie spannte den Bogen vom Nachbarschaftszentrum Brüser Berg, über den Kaiserplatz, die Bahnhofsmission nach Tannenbusch und hatte auch einen Blick auf die gemeindenahe Sozialberatung in Rheinbach, Meckenheim, Wachtberg und Swisttal.

Denise Anton, von der Landesberatungsgesellschaft G.I.B. des Sozialministeriums NRW unterstützte in ihrem Impuls, den Ansatz genau hinzuschauen, welche Hilfe es wo braucht. Sie zeigte am Beispiel von Sozial- und Teilhabeindexen, wie unterschiedlich die Situation in verschiedenen Stadtvierteln einer Stadt sein kann. Wichtig sei es, bei der Suche nach Angeboten und Lösungen immer alle einzubeziehen, die vor Ort wirken. Vom Sportverein, über die Schulen zu den Trägern und Kommunen.

Im anschließenden Podiumsgespräch wurde sehr deutlich, wie differenziert hinzuschauen ist. Eine Kommune wie Swisttal hat ein großes Thema mit dem demografischen Wandel. Während gemäß Kita-Bedarfsplan noch neue Kitas entstehen, ergibt sich aktuell ein Rückgang der Nachfrage nach Kitaplätzen. Hier brauche es mehr Möglichkeiten flexibel zu handeln, machte Swisttals Bürgermeister Tobias Leuning deutlich. Azra Zürn, die Sozialdezernentin der Stadt Bonn, kämpft mit anderen Herausforderungen und sieht die Chance darin, zu hinterfragen, welche Konzepte und Angebote, noch ihre Berechtigung haben oder angepasst werden müssen. Das unterstrich Denise Anton aus ihrer fachlichen Sicht.

Tobias Köhler von der Geschäftsleitung des Diakonischen Werkes fand in den Beiträgen der Podiumsgäste die Arbeitsweise des Wohlfahrtsverbandes wieder. Diakonie übernehme dort Aufgaben, wo der Bedarf sei. Das lässt sich am Beispiel der Fluthilfe gut nachvollziehen, unterstützte Bereichsleiterin Andrea Hillebrand in ihrer Moderation: „Am Vortag wusste niemand, dass es mobile Fluthilfe braucht, am Tag nach der Katastrophe wurde so schnell es ging ein Dienst aufgebaut. Jetzt fünf Jahre später zieht sich das Werk aus dieser Arbeit zurück.“ „Wir müssen auch bereit sein, ein Angebot einzustellen, wenn es den Bedarf nicht mehr gibt, auch wenn das schwerfällt“, unterstrich Tobias Köhler. Dann hätten wir wieder Ressourcen für das, was aktuell anstehe. Aktuell sieht er vor allem die demokratiesichernde Bedeutung der Quartiersarbeit. An diesem Punkt gab es eine hohe Übereinstimmung – auf dem Podium und bei den anschließenden Gesprächen im informellen Miteinander.